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Öffentliche Bauten -
Museen im Paradigmenwechsel

München, 19. Mai 2010

„Manchmal kann man nur schwer sagen, was besser ist: das Gebäude oder die Ausstellung.“ So lud der Grohe-Dialog zum Thema „Öffentliche Bauten“ in München einmal mehr eine handverlesene Expertenrunde zum Gespräch.

Museen im Paradigmenwechsel: Welche Funktionen muss ein Museum heute erfüllen? Dienen als Ort des Bewahrens, unterhalten als inspirierende Erlebniswelt? Oder soll der Bau – Bilbao lässt grüßen – sogar einer ganzen Stadt Identität verleihen? Ein spektakuläres Gebäude könne die Aufmerksamkeit zwei Jahre auf sich ziehen, darin war sich das Podium einig, erst danach werde auch der Inhalt interessant – wobei schon jetzt festzustellen sei, dass sich sowohl die Abstände als auch Stärke des Effekts sichtlich verkürzten.

Außen hui – und innen? Dass die aktuell angesagte Überinszenierungswut oftmals minderwertiges Gut verpacken soll, merkte HG Merz an. Sein Werk steht für pointierten Minimalismus, kein Wunder also, dass er mit einem Bonmot des Künstlers Markus Lüpertz argumentierte, wonach der ideale Museumsraum ja längst erfunden sei: vier Wände, die Farbe Weiß und ein Oberlicht – was die Bauwelt längst erkannt hat, denn nach dem Lüpertz’schen Prinzip ordnen sich zahlreiche ,White Cubes’ ihrem Innenleben demonstrativ unter oder vielmehr die Außenhülle ihren Exponaten.

Eine Sammlung räumlich oder farblich zu beleben, vertrat dagegen Kuratorin Carina Plath: „Die Kiste mit dem Oberlicht ist langweilig“. Friederike Tebbe stellte zudem subtile Gestaltungsprinzipien wie optimale Beleuchtung und ideale Proportionen in den Vordergrund und damit das Verhältnis „zwischen Hardware und Exponat“.

Wie müssen Museen im Internet-Zeitalter auftreten, um Menschen stärker in den Dialog mit der Kunst zu holen? „Die virtuelle Welt macht das Original wieder wichtiger“, folgerte Merz, während André Kempe auf das Werk Olafur Eliassons als Antipode und damit auf den gegenwärtigen Trend „hin zum Physischen“ verwies. Was Volker Staab mit dem knappen Kommentar „auch Architektur ist physisch und wird es immer bleiben“ relativierte.

Am Ende bildete die Debatte das wahre Leben ab: Unterschiedliche Meinungen standen symbolisch für den Pluralismus in der Museumsarchitektur. „Wir befinden uns noch immer in einer 80er-Jahre-Debatte über Inszenierung und Inszeniertes“, konstatierte Ruby. Seine Frage „Wie zieht man Besucher wieder in Räume?“ konnte natürlich nicht abschließend beantwortet werden – auch wenn man sich darin einig war, dass es mit spektakulärer Architektur allein nicht getan ist.

Podiumsgäste
HG Merz, hg merz architekten museumsgestalter
Volker Staab, Volker Staab Architekten
André Kempe, Atelier Kempe Thill
Friederike Tebbe, Farbarchiv
Carina Plath, Kuratorin Sprengel Museum

Location
Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München