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Nachhaltig Bauen
- Baukultur im Wertewandel
Düsseldorf, 9. Juni 2011

Hinderliches Regelgestrüpp oder Chance für eine neue Architektur: Mit dem Grohe-Dialog zur Nachhaltigkeit kam ein Reizwort für die Branche aufs Tapet. Für eine Buchpublikation „Nachhaltig Bauen. Baukultur im Wertewandel“ waren Interviews mit führenden Persönlichkeiten des Bau- und Immobiliensektors zu diesem Thema geführt worden. Nun war diese Prominenz eingeladen, in einer Publikums- und folgenden Podiumsdiskussion Standpunkte auszutauschen.
„Die Diskussion ist nervig“, so Jan Störmer zum Gesprächsauftakt. Das Thema werde missbraucht, um mit behördlicher Regulierungswut behindernde Gesetzgebungen durchzubringen. Es gab viel Zustimmung für diese Position, aber auch differenzierte Stimmen. Karsten Tichelmann stellte dar: „Nachhaltigkeit spiegelt sich nicht in Zertifizierungen wieder, aber sie haben einen pädagogischen Hintergrund. Es ist kein Form- und Gestaltungsthema, sondern es geht um die Frage, wie man ein tragfähiges Energiekonzept auf die Architektur überträgt.“

Für Max Schultheis sagen Zertifikaten jedoch zu wenig darüber aus, wie sich Gebäude strukturell in die Stadtlandschaft einbetten. „Bald sieht alles aus wie Las Vegas“, lauteten andere Stimmen aus dem Publikum. Sind die Architekten schuld? Ein guter Baumeister hat immer schon nachhaltig gebaut, darauf einigte man sich schnell. Gibt es einfach nicht mehr genug Bauherren vom Zuschnitt des von Jan Störmer genannten Hoteliers, der seinen Betrieb im Sinne einer autarken Klosteranlage führen will? Während einer der Teilnehmer sogar von einem Wertewandel DURCH die Baukultur sprach, schienen die meisten doch ein nachdenkliches Fragezeichen hinter das Motto des Abends zu setzen: Gibt es ihn überhaupt, den Wertewandel in der Baukultur?
„Ich weiß gar nicht, wie man nachhaltig baut“, bekannte Bernhard Franken. Jan Störmer sieht zwar durchaus positive Impulse für die Baukunst in dem Thema Nachhaltigkeit, kann diese aber auch noch nicht recht fassen: „In den letzten drei, vier Jahren ist für uns Architekten eine riesen Chance entstanden, noch einmal über eine andere Architektur nachzudenken, die die Energieproblematik in eine besondere Sprache umsetzt.“ Annette von Hagel hat schon einen anwendbaren Katalog zur Hand: „Für die Bewertung nachhaltigen Bauens sind Architekturwettbewerbe und Kunst am Bau wichtige Kriterien.“ Tobias Wallisser unterstrich angesichts seiner Erfahrungen in der Golfregion, dass sich die Debatte ohne die gesellschaftliche Komponente gar nicht führen lässt.

Bernhard Franken gab sich selbst und allen anderen Ratlosen am Ende des Abends eine sehr poetische Antwort auf all die komplexen Fragen: William Blakes berühmtes Zitat „Exuberance is beauty“ – Fülle ist Schönheit. Und spannte damit den Bogen zurück zu Grohe-Chefdesigner Paul Flowers, der zu Beginn dem Publikum erklärt hatte, warum er die Duschbrausen nicht mehr rund oder eckig mache, sondern dem menschlichen Körper anpasse: Der Wasserdurchfluss verringert sich, ohne dass der Duschspaß leidet. „The perfect concept of sustainability is to increase the experience.“

Podiumsgäste
Prof. Bernhard Franken, Franken Architekten
Annette von Hagel, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Max Schultheis, URS Deutschland
Jan Störmer, Störmer Murphy and Partners
Prof. Dr. Karsten Tichelmann, TU Darmstadt
Prof. Tobias Wallisser, LAVA

Location
Grohe AG
Feldmühleplatz 15
40545 Düsseldorf